Roland Düringer: Weltfremd oder Visionär?

Roland Düringer spricht einige Kernprobleme der heutigen Zeit an und er räumt mit ein paar Missverständnissen auf. Beispielsweise unterscheidet er zwischen Realität und gesellschaftlich konstruierter Wirklichkeit sowie der Veränderbarkeit Letztgenannter. Er zeigt auf, dass übergroße Strukturen antidemokratisch sind und Politik nicht den PolitikerInnen vorbehalten ist. Was allerdings so einfach rüberkommt, nämlich kritisch zu hinterfragen und selbstbestimmt zu leben, ist in Wirklichkeit nicht für alle so einfach. Jean Ziegler hat in einem Interview einmal angemerkt, dass er die Dinge deshalb so schonungslos beim Namen nennen kann, weil er in einer privilegierten Position ist.

Sozialisierung und Lebenswelt kann niemand so einfach beiseite schieben. Das Lösen von alten, anerzogenen Welt- und Gesellschaftsbildern ist oft ein langer und schwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang. Dieses Verständnis ist genauso wichtig, wie das Aufzeigen von Missständen und Fordern von Eigenverantwortung. Es ist für mich auch nicht vorstellbar, dass alle Menschen SelbstversorgerInnen werden und die Lösungen ausschließlich in Klein- und Kleinststrukturen liegen. Wie sollen diese z.B. Großstädte versorgen. Auch Urban Gardening, Gemeinschaftsgärten und genossenschaftlich geführte Lanwirtschaftsbetriebe können diesen Bedarf allein nicht decken. Wenn Stadtmenschen in der Not plündern, wie Düringer im Interview anmerkt, werden sie das auch auf dem Land tun. Die Eigenvorsorge wird so wieder zum Allgemeingut.

Eine Lösung könnte in der Neuorientierung und Beantwortung der Frage liegen, in welchen Bereichen der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft  es globale, nationale oder regionale Strukturen braucht. Der Nationalökonom Ernst Friedrich Schumacher, dessen Lehrer der Philosoph und Vordenker Leopold Kohr war, hatte schon 1973 in seinem Bestseller „Small is Beautiful“ die Rückkehr zum menschlichen Maß gefordert. Für ihn ist die

„Frage der Größe in politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und bei nahezu allen anderen Bereichen wichtig“. (Vgl. Schumacher 2013, S.70)

Leopold Kohr war überzeugt,

„dass eine humane Welt nach den kleinen Maßen des Menschen strukturiert sein muss und Probleme immer dort auftreten, wo etwas zu groß ist“ (vgl. Wikkipedia 2016) und folglich unüberschaubar wird.

Es geht hier also mehr um eine optimale Größe und nicht um Kleinstrukturiertheit per se!

Das Interview mit Roland Düringer beinhaltet jedenfalls genügend Anregungen und Diskussionsstoff darüber, wie wir unsere Zukunft gestalten wollen. Wir sollten damit anfangen und unsere Stimme nützen, anstatt, wie Düringer bemerkt, sie bei den Wahlen abzugeben. Zum Beispiel: Im Forum für ethisches Wirtschaften.

  1. Schumacher, Ernst Friedrich (2013): Small is beautiful: die Rückkehr zum menschlichen Maß. München: Oekom-Verl.
  2. Wikkipedia (2016): Leopold Kohr – Wikipedia. Online im Internet: https://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kohr (Zugriff am: 18.02.2016).

Kurt Walser

Im Rahmen seines aktuellen Programms „Weltfremd“, gastierte Roland Düringer am Mittwoch in Götzis. Im VOL.AT-Talk gibt der Kabarettist preis, warum er die Welt verändern möchte und warum Menschen die Dinge mehr hinterfragen sollten.

Quelle: Roland Düringer im Gespräch: Weltfremd oder Visionär? | Vorarlberg Online

 

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